Aktuelles

Abb.: Steffi Zimmer und Pierre Schmit berichten von ihrer Studienreise nach Ecuador

OIKOPOLIS am Dialog: Klimabündnis-Studienreise nach Ecuador

8.6.2017


... von Indigenen lernen.

Am 1. Juni berichteten Steffi Zimmer (IBLA, Institut fir biologesch Landwirtschaft an Agrarkultur Lëtzebuerg a.s.b.l.) und Pierre Schmit (Umweltbeauftragter der Stadt Luxemburg) im Rahmen der Vortragsreihe OIKOPOLIS am Dialog von ihrer Studienreise nach Ecuador, die sie Anfang März 2017 mit zwölf weiteren umweltinteressierten Bürgern unternommen hatten. Organisiert wurde diese Reise von ASTM (Action Solidarité Tiers Monde), einer luxemburgischen Nichtregierungsorganisation, die in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig ist und die globalen Aktivitäten des Klima-Bündnis Lëtzebuerg koordiniert. Das Klima-Bündnis setzt sich für die Reduktion der Treibhausgase, den Schutz der Regenwälder und die Rechte der dort lebenden indigenen Völker ein.


Erdöl - Ecuadors Standbein

Einen Einblick in die politische und ökonomische Situation Ecuadors bot zu Beginn der Reise die Stadt Quito, die Hauptstadt Ecuadors, einem hochverschuldeten Land, dessen Ökonomie stark vom Rohöl-Export abhängt. Neben der Erdölförderung, dem Anbau von Bananen, Kakao und Kaffee, wird in Ecuador recht wenig produziert. Die meisten Konsumgüter müssen somit importiert werden. Um seine Infrastrukturen weiter ausbauen zu können und die Staatsschulden zu tilgen, setzt der Staat trotz sinkender Erdölpreise auch weiterhin auf eine intensive Erdölförderung. Die Natur, der Lebensraum der indigenen Völker und die Gesundheit der Bevölkerung sind dabei zweitrangig.


Ölförderung im Regenwald

Nach dem Besuch der Hauptstadt ging es in die Ölregion des Amazonasgebiet. Hier konnten sich die Reiseteilnehmer ein Bild von dem ganzen Ausmaß der Ölbohrungen machen. Mehr als 1.000 sogenannte „Piscinas“, d.h. Erdbecken die mit Ölschlamm, radioaktiven Elementen, toxischem Kaliumcyanid und Schwermetallen gefüllt sind, befinden sich in der Nähe der Öltürme, die seit Ende der Sechzigerjahre von Texaco im ecuadorianischen Regenwald errichtet wurden. Da diese Becken nicht isoliert sind und bei Regen überlaufen, verunreinigen sie den umliegenden Regenwaldboden, verschmutzen Bäche und Flüsse, und schlussendlich auch das Grundwasser.
Seit über vierzig Jahren wird zudem das Methan, das bei der Erdölförderung freigesetzt wird, an Ort und Stelle verbrannt und trägt zur Erhöhung der Treibhausgase bei. Die Erdöl-Pipelines verlaufen entlang der Straßen und rosten in dem feuchten Klima vor sich hin. Rohrbrüche sind somit keine Seltenheit und liefern ihren Beitrag an der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung.


Eine Gemeinde wehrt sich

Obwohl die Krebs- und Fehlgeburtsrate in den Ölfördergebieten deutlich erhöht ist, entzieht sich Texaco-Chevron, gegen die seit 1993 ein Prozess läuft, auch weiterhin ihrer Verantwortung. Mittlerweile haben auch viele Einwohner Ecuadors den Kampf gegen die Ölkonzerne aufgegeben. Die Kichwa-Gemeinde in Sarayaku wehrt sich jedoch auch weiterhin gegen die Umweltverschmutzung und das Eindringen der Ölkonzerne in ihr Gebiet. Die Reisegruppe war für mehrere Tage in Sarayaku zu Gast und erhielt somit einen Einblick in das Leben dieses indigenen Volks, das völlig autark im Regenwald lebt und auf eine äußerst bemerkenswerte Weise Moderne und Tradition kombiniert. So sind die Kichwa komplette Selbstversorger, leben von Gemüse und Obst aus ihren Regenwald-Gärten - den Chakras - der Jagd und dem Fischfang. Sie bieten jedoch auch Ökotouristen Kost und Logis und nutzen moderne Medien, wie Film und Internet, um sich gegen die Ölfirmen zu wehren. Ihre Haltung kommunizieren sie sehr bestimmt und aktiv nach außen, um so viele Menschen wie möglich auf die Situation der indigenen Völker aufmerksam zu machen. Durch ihr bedachtes Handeln können sie den Erdölfirmen auch weiterhin die Stirn bieten und müssen nicht, wie bereits viele andere indigene Völker Ecuadors, ihre Tradition, ihre Kultur und ihre Sprache aufgeben.